Dieser Artikel möchte die Prozesse im Bereich der Produktionsplanung und
-steuerung kurz darstellen, wobei insbesondere die Möglichkeiten aufgezeigt
werden, die Auftragsabwicklung, auf welcher die Prozesse aufsetzen, zu beschreiben.
Gewöhnlich stehen für unterschiedliche Branchen Prozessmodelle als Referenzmodelle
bereit, welche bereits in entsprechenden PPS-System vorkonfiguriert sind und die
dann mit individueller Software- und Prozess-Entwicklung weiter ausgebaut werden
können, sodass die ein Unternehmen charakterisierenden Prozesseigenschaften
abgebildet werden können. Als Beispiel verwendet dieser Artikel Fertigungsunternehmen.
Bei der Einführung von Standard-PPS-Systemen genügt es niemals, nur die Basis-Software zu verwenden. Vielmehr ist es auch relevant, die tatsächlichen Prozesse des Unternehmens zu berücksichtigen und daher die Software entsprechend anzupassen. Um die Basissoftware zu erstellen, gibt es eine Reihe von so genannten Referenzmodellen, welche für Unternehmensgruppen mit bestimmten Ausprägungen in eine Reihe von Prozessmerkmalen typische Prozesse beschreiben. Die individuellen Prozesseigenschaften kann man dann auf Basis dieser Software ergänzen. Dieser Artikel beschreibt für Fertigungsunternehmen kurz typische Referenzmodelle.
Der Auftragfertiger zeichnet sich im Wesentlichen dadurch aus, dass durch den Auftrag, den ein Kunde ausgelöst hat, der gesamte Auftragsabwicklungsprozess angestoßen wird. Dieser Auftrag führt zu einem individuellen Primärbedarf, der sich in Form von Erzeugnissen, die kundenspezifisch hergestellt werden müssen, oder die man in einer individuellen Auswahl oder Menge als Fremderzeugnisse für die Weiterverarbeitung beschaffen kann. Dies führt dazu, dass der Prozess die Charakteristiken einer Neukonstruktion aufweist, wobei zu unterschiedlichen Anteilen auch Fertigteile zum Einsatz kommen können.
Der Rahmenauftragsfertiger besitzt eine sehr enge logistische Verbindung zu einen Kunden. Diese senden ihm Bedarfsmitteilungen über die benötigten Erzeugnisse, die wiederum für den Kunden für die eigene Auftragabwicklung notwendig sind. Hierbei gibt es eine Reihe von EDV-Lösungen, um Termine, Mengen und Erzeugnistypen zu beauftragen. Oft sind die Terminvorgaben zu kurz, als dass eine tatsächlich auf den konkreten Bedarf ausgerichtete Produktion denkbar wäre. Vielmehr muss sich der Rahmenauftragsfertiger nach den Rahmenvereinbarungen und zusätzlichen Annahmen orientieren, um die dann periodisch unterschiedlich anfallenden Mengen herstellen und liefern zu können.
Der Variantenfertiger produziert zunächst eine kundenanonyme Vorproduktion, welche eine Basis für die später kundenspezifisch zu erstellende Endproduktion darstellt. Die Vorproduktion erzeugt meistens deutlich größere Lose als die Endproduktion, sodass eine Zwischenlager benötigt wird, in dem die vorab produzierten Erzeugnisse vorgehalten werden können, bevor sie für die Endproduktion/Montage abgerufen werden. Durch diese Organisation kann der Variantenfertiger mit einer geringeren Komplexität als der Auftragsfertiger umgehen, weil die Erzeugniskomplexität durch die Vorgabe von Basis-/Vorprodukten geringer ausfällt. Allerdings ist die Bedarfsermittlung ebenfalls zweigeteilt. Der Bedarf für die Enderzeugnisse ist bedarfsorientiert und relativ genau. Die Vorfertigung allerdings erfolgt kundenanonym und ist daher erwartungs- oder verbrauchsorientiert mit Blick auf die zu erwartende Endproduktabnahme.
Der Lagerfertiger besitzt Erwartungen über die abgenommenen Produkte, produziert ausschließlich auf Lager und bedient auch die eingehenden Kundenanfrage direkt mit den Produkten, die bereits hergestellt und im eingelagert sind. Produktionsaufträge werden durch Marktanalysen und Annahmen über die Nachfrageentwicklung ausgelöst. Im Regelfall werden die Angebote in einem Produktkatalog (elektronisch oder gedruckt) beworben und können auch nach diesem Katalog bestellt werden.
comelio.com
